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Satirischer Text zur Menopause

von Christina McInulti, auf Facebook unter „Unverschämtes DU – Mit Klarheit und Freude in den Wechseljahren“

Du merkst, dass du in den Wechseljahren bist, wenn dein Körper plötzlich Dinge tut, die früher nur in Katastrophenfilmen vorkamen.

Hitzeausbrüche und eine Wut, die so plötzlich auftaucht, als hätte jemand in deinem Gehirn den Feueralarm gedrückt.

Medizinisch ist das ganz einfach erklärt:

Dein Östrogen verabschiedet sich ungefähr so, wie ein Gast, der auf deiner Party das Licht ausmacht und noch das letzte Stück Kuchen mitnimmt.

Und du sitzt da, hormonell unterbesetzt, und sollst weiterhin freundlich bleiben.

Früher hast du vielleicht noch gedacht:

„ Ich sag mal lieber nichts.“

Heute denkst du:

„Ich sag’s jetzt – ALLES.“

Das liegt daran, dass dein Gehirn plötzlich effizient arbeitet.

Östrogen beeinflusst nämlich auch Botenstoffe wie Serotonin und Dopamin, genau die Systeme, die im Alltag für emotionale Stoßdämpfung sorgen.

Sinkt der Spiegel, filtert dein Gehirn einfach weniger Bullshit.

Menschen, die dir früher egal waren, sind dir jetzt immer noch egal – nur wissen sie es jetzt auch.

Deine Gyn sagt dann gern beruhigend:

„Das sind nur hormonelle Schwankungen.“

NUR?

Als würde dein Körper gerade nicht gleichzeitig versuchen, eine biologische Epoche zu beenden.

Aber die Wechseljahre haben auch ihre Vorteile.

Du bekommst eine neue Superkraft: radikale Ehrlichkeit.

Jemand erzählt dir zum fünften Mal dieselbe langweilige Geschichte und du sagst einfach:

„Das hast du schon viermal erzählt. Es wurde von Mal zu Mal nicht besser.“

Und wenn dann jemand fragt, ob du vielleicht etwas gereizt bist, antwortest du bloß: „Wie jetzt?“

Besonders schön wird es zu Hause.

Da ruft jemand aus der Küche:

„Was gibt es denn heute zu essen?“

Du schaust wahlweise deinen Mann oder das Pubertier an

und hörst dich sagen:

„Dein Essen steht im Kochbuch auf Seite 13.“

Stille.

Dann stellst du fest:

Die Wechseljahre haben noch einen unerwarteten Nebeneffekt.

Du siehst plötzlich alles.

Wirklich alles.

Zum Beispiel Socken.

Socken, die nicht im Wäschekorb liegen, sondern neben dem Wäschekorb.

Neben.

Das ist keine Unfähigkeit mehr.

Das ist Geometrie-Verweigerung.

Ein erwachsener Mensch steht vor einem Behälter mit Loch oben und entscheidet sich bewusst für den Boden daneben.

Und dann das Geschirr.

Es steht nicht in der Spülmaschine. Es steht

neben der Spülmaschine.

Als hätte jemand gedacht:

„Ich bring den Teller schon mal emotional in die Nähe.“

Du starrst darauf und denkst:

Wenn Evolution wirklich funktionieren würde,

wäre dieses Verhalten längst ausgestorben.

Früher hast du darüber hinweggesehen.

Heute stehst du in der Küche, schaust auf Socken, Teller und Tassen und begreifst etwas Entscheidendes:

Die Wechseljahre machen dich nicht einfach wütend,

sie entfernen auch die letzten Reste von Toleranz gegenüber kompletter Dummheit.

Medizinisch effizient eigentlich:

der Körper spart Energie.

Für wichtigere Dinge.

Zum Beispiel:

Menschen daran zu erinnern,

dass Teller eine erstaunliche Fähigkeit haben:

Sie passen in die Spülmaschine.