Kinofilm „Mein neues altes Ich“ erklärt aktuelle Forschungsfelder und bringt Aha-Erlebnisse im Bornheimer Rathaus
Die Geschichte der Wechseljahrsforschung ist eigentlich schnell erzählt: In der Antike stellten die ausschließlich männlichen Ärzte und Forscher fest, dass die Gebärmutter sich während der Wechseljahre zurückziehe und auf der Suche nach Spermien durch den Körper wandere. Daraus erklärten sich alle weiteren körperlichen und psychischen Störungen der Frau.
In den moderneren Zeiten ab dem 19. Jahrhundert kam dann die Diagnose Hysterie auf. Ein Mann konnte seine von Wechseljahrsbeschwerden geplagte Frau ohne Umschweife in eine psychiatrische Klinik einweisen lassen. Dort wurden dann mehr als fragwürdige Therapien an ihr ausgeführt, die Menschenrechte und Menschenwürde verletzten. Dennoch wurde die Diagnose Hysterie weltweit erst 1992 aus der Liste der amtlich klassifizierten Krankheiten nach ICD-10 gestrichen.
Das Problem an der bisher sehr dürftigen Wechseljahrsforschung ist bekannt. Im Film heißt es: „Frauen dürfen nicht an klinischen Studien teilnehmen. Das wird mit ihren Hormonschwankungen erklärt. Ihr Zyklus gilt als zu komplex. Außerdem könnten sie mitten in der Studie schwanger werden. Was Frauen also zu Frauen macht, ist der Grund, warum man sie nicht erforschen kann.“
Nach diesem historischen Rückblick zeigt die Dokumentation „Mein neues altes Ich“, welche Felder der medizinischen Frauenforschung derzeit bearbeitet werden. Zum einen geht es um die Rehabilitation der Hormonersatztherapie, die fälschlicherweise in den Ruf geraten sei, bei rund 30% aller Frauen Brustkrebs zu verursachen. Das sei eine Fehlinterpretation der Versuchsdaten: Während von 1000 Frauen ohne Hormonbehandlung 9 Brustkrebs entwickelten, waren es bei 1000 Frauen mit Hormonbehandlung 12. Das ergab eine Zunahme um 33 %, was in absoluten Zahlen aber bedeutet, dass lediglich drei weitere Frauen aus einer Gruppe von 1000 betroffen waren. Die moderne Hormonersatztherapie hat inzwischen auch für dieses Thema Lösungen gefunden, was laut den Erfahrungen der anwesenden Frauen allerdings längst nicht in allen gynäkologischen Praxen als Mittel der Wahl angeboten wird.
Ein anderer großer Forschungszweig widmet sich dem Zusammenhang zwischen menopausalen Hitzewallungen und der späteren Entstehung von Alzheimer. Frauen mit der entsprechenden Veranlagung entwickeln signifikant häufiger Alzheimer, wenn sie in der Menopause unter Hitzewallungen gelitten haben. Das sollte Grund genug sein, in der Forschung mehr Anstrengungen zu unternehmen, damit Hitzewallungen und andere Symptome der Wechseljahre gemildert oder völlig ausgeschaltet werden.
Die Frauen, die der Einladung zur Film-Vorpremiere im Bornheimer Rathaus gefolgt waren, pinnten eigene Gedanken und Erfahrungen an große Plakate. Ganz oben auf der Liste der selbst erlebten Symptome standen Schlaflosigkeit, Gewichtszunahme und erschwerte Gewichtsabnahme, Hitzewallungen und Nachtschweiß, Gelenk- und Muskelschmerzen, Stimmungsschwankungen, Vergesslichkeit, Müdigkeit und Erschöpfung. Auf der Positiv-Seite stand die These, dass durch die Wechseljahre mehr Bewusstsein für das eigene Selbst entsteht und dass sie auch Befreiung und einen Neuanfang bringen können. Vor allem aber war einer Besucherin wichtig, dass die Begleiterscheinungen der Wechseljahre nichts sind, wegen dem eine Frau sich schämen müsste. Das Frauen-Netzwerk-Bornheim hatte zu dieser erkenntnisreichen Veranstaltung geladen, an der rund 50 Frauen teilgenommen haben. Der Rathaussaal war zu einem stimmungsvollen Kinosaal umdekoriert worden, es gab Chips und Popcorn sowie Getränke und sehr viel Zeit für den Austausch untereinander. Anwesend war auch eine Wechseljahrberaterin aus der Umgebung, deren Berufsbezeichnung vielen Menschen gar nicht bekannt ist. Die Frauen konnten sich vernetzen und gingen gut informiert und persönlich bereichert nach Hause. Die nächste Großveranstaltung des Frauen-Netzwerks ist für November im Rathaus geplant.